St. Donatus: "Historic Luxembourg Village"
Steinernes Denkmal als Erinnerung an die Luxemburger Einwanderung in die USA
Eine Gruppe aus Luxemburg beteiligt sich an der renovierung des "Gehlen-House" im US-Bundesstaat Iowa
"St. Donatus: Historic Luxembourg Village". Auf den Luxemburger Touristen, der die Siedlung im Mittleren Westen der USA besucht, wirkt die Aufschrift an den Ortstafeln schon verblüffend. Doch in dieser ländlichen Gegend der Vereinigten Staaten, eingebetet in einem breiten Tal, inmitten einer sanft rollenden Hügellandschaft, ließen sich im vergangenen Jahrhundert eine ganze Reihe von Luxemburgern nieder und machten diesen Landstrich, der an das Luxemburger Gutland erinnert,zu ihrer neuen Heimat.
Auch der aus Olm ausgewanderte Pieter Gehlen hatte sich hier angesiedelt und mitte des 19.Jahrhunderts in althergebrachter Steinbauweise ein solides Haus errichtet. Das geräumige, imposante Anwesen ist ein echter Zeitzeuge Luxemburger Wirkens in der 180 Meilen westlich von Chicago gelegen ortschaft.
Bed & Breakfast
Im Frühjahr des vergangenen Jahres schlossen sich einige Einwohner aus St. Donatus in einer Interessengruppe zusammen und erwarben für 135000 US Dollar das Haus von seinem damaligen Besitzer Harold Fondell. Die Gruppe, zu der Judy Nemmers, Präsidentin der "St. Donatus Luxembourg Heritage Society", und Windy Kalmes, Inhaber des "Kalmes Store & Restaurant" in St. Donatus, gehören, plante, das im Dorfkern gelegene Anwesen des Luxemburger Einwanderers zu einer "Bed & Breakfast"-Gaststätte umzugestalten. Durchreisenden und Besuchern sollte so in der Ortschaft, in der es sonst keine Gästezimmer gibt, eine Übernachtungsmöglichkeit angeboten werden können.
Unmittelbar nachdem im März 1996 das Gehlen-House den Besitzer gewechselt hatte, wurde mit den Instandsetzung- und Umbauarbeiten im Innern des zweigeschossigen Hauptgebäudes, das über rund 20 Zimmer verfügt, begonnen. Das Haus befand sich in einem noch relativ guten Zustand, da Harold Fondell es erst Mitte der 80er Jahre restauriert hatte.
Luxemburger beteiligen sich an der Außenrenovierung
Zu den Hauptarbeiten, die jetzt noch verrichtet werden müssen, zählt die Außenrenovierung. Diese Arbeiten werden in den nächsten Tagen von einer Gruppe von Luxemburgern durchgeführt, die am Sonntag das Land in Richtung Chicago verlassen. In einem Zeitraum von 14 Tagen wollen sie unter der Leitung des Bauunternehmers Guy Thomas u.a. die Fassade erneuern. Auch sollen einige architektonische Fehler, die im Laufe der Jahre bei Umbauarbeiten begangen worden waren, fachgerecht behoben werden, damit das Gehlen-House wieder völlig dem ursprünglichen Luxemburger Baustill entspricht. Mit auf die Reise gehen auch zwei in Luxemburg gefertigte eindrucksvolle Türen, die im Haus eingesetzt werden.
Der Anstoß zur Beteiligung von Luxemburgern an der Renovierung und Umgestaltung des "Gehlen-House" kommt von der Vereinigung "Lëtzebuerger Kultur an Amerika asbl". Diese Vereinigung war auch bereits treibende Kraft 1991 und 1992 bei den Instandsetzungen zweier anderer "steinerner Denkmäler" im Mittleren Westen der USA: dem Marnach-Haus nahe Rollingstone in Minnesota, und dem Sünnen-Haus im Ozaukee County in Wisconsin.
Im Verlauf der Pressekonferenz gaben der Vizepräsident der Vereinigung "Lëtzebuerger Kultur an Amerika", Georges Calteux, der Auswanderungsforscher Jean Ensch, Bauunternehmer Guy Thomas und der Journalist Rosch Krieps, der in der 60er Jahren in einer Artikelserie über die Luxemburgischen Siedlungen in den USA berichtet hatte, Aufschluß über die Geschichte von St. Donatus und über die bevorstehende Renovierungsaktion.
St. Donatus: typisch luxemburgische Siedlung
St. Donatus gehört zu den typisch Luxemburgischen Siedlungen in den USA. Viele Häuser der Ortschaft zeichnen sich durch den einheimischen Baustill sowie durch die Luxemburger Steinbauweise aus, die außergewöhnlich ist in einem Land, in dem die Holzbauweise ("Frame-House") Tradition hat. Von allen Luxemburgischen Siedlungen in den USA ist es außerdem die einzige, wo der gesamte historische Dorfkern in Steinbauweise errichtet worden ist. In anderen Luxemburgischen Siedlungen treten Steinhäuser nur vereinzelt auf.
Den Angaben des Luxemburger Ahnen- und Auswanderungsforschers Jean Ensch zufolge ließen sich die ersten Luxemburger 1846 in dieser gegend nieder. Der Auswanderungsstrom dauerte bis zum Ersten Weltkrieg an. In der darauffolgenden Zeit verlor sich in St. Donatus, das ursprünglich fest in Luxemburger Hand war, ein wenig das Bewußtsein, eine typisch Luxemburger Siedlung zu sein. Verschiedentlich wurden Steinbauten dem Verfall preisgegeben, weil Einwohner es vorzogen in bequemere und moderne Wohnungen umzuziehen.
Der gänzliche Verfall von St. Donatus, der zuweilen vorausgesagt worden war, trat aber nicht ein. Vielmehr gab es Ende der 70er Jahre eine Wende, man begann sich wieder des luxemburgischen "background" zu besinnen. Hinsichtlich der Bemühungen zur Erhaltung des Luxemburger Kulturgutes stellte das Jahr 1990 eine Höhepunkt dar, als St. Donatus ins "National Register of Historic Places" nominiert wurde. Heute bemüht sich die "St. Donatus Luxembourg Heritage Society" engagiert um die Pflege der Luxemburger Kultur. Die jetzige Renovierung des "Gehlen-House" unter Beteiligung von Luxemburgern stellt nach dem Marnach- und Sünnen-Haus ein weiterer wichtiger Beitrag zum Erhalt der "Lëtzebuerger Kultur an Amerika" dar. (Paul Lenert-Luxemburger Wort, den 23.7.1997)
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"Die Geschichte der Luxemburger westlich des Mississippi"
"Gehlen-House" im US-Bundesstaat Iowa unter beteiligung von Luxemburgern renoviert und zu "Bed & Breakfast"-Gaststätte umgestaltet
"Hello, Are you from the Luxemburgisch group? Schwëtz Dir Lëtzebuergesch? Oh dat as flott. Mir hun an der Zeitung gelies, datt dat Lëtzebuerger Haus hei géif restauréiert gin, an du wollte mir dat op St. Donatus kucke kommen." Die Freude bei Odilia Boffeli-Beringer, die trotz ihres Amerikanischen Akzentes mühelos und verständlich Luxemburgisch spricht, ist unverkennbar, als sie vor dem"Gehlen-House" auf Luxemburger trifft. "Méng Eltere sin 1912 an dës Géigend ausgewandert. Mäi Papp kënnt vu Lëntgen a méng Mamm, déi mam Meederchersnumm Rauen geheescht huet, war vu Clemency" erzählt die Besucherin voller Begeisterung weiter.
Wie Odilia beringer waren in den ersten Tagen des August 1997 aus allen Ecken des US-Bundesstaates iowa eine ganze Menge Amerikaner, deren Vorfahren aus Luxemburg stammen, in St. Donatus erschienen. Sie alle hatten in der amerikanischen Lokal- und regionalpresse von der renovierung des "Gehlen-House" durch Handwerker aus Luxemburg gelesen und wollten die Gelegenheit nicht verpassen, den Luxemburgern "Hello" zu sagen und sie zu ihrer Initiative und Arbeit zu beglückwünschen.
Zu den Luxemburgern, die Mitte des 19.Jahrhunderts ihre Heimat in Richtung USA verließen, gehörte auch Peter Gehlen aus Olm. Wie viele seiner Landsleute siedelte, er sich in St. Donatus an und errichtete dort 1848 in althergebrachter Steinbauweise ein solides Haus. Das geräumige, imposante Anwese, das noch einer der wenigen Zeitzeugen Luxemburger Wirkens in der (typisch luxemburgischen) Siedlung ist, wurde Anfang des vergangenen Jahres von zehn Investoren aus der Ortschaft erworben, mit dem Ziel, es zu einer "Bed & Breakfast"-Gaststätte umzubauen. Dafür waren verschieden Umgestaltungs- und Instandsetzungsarbeiten notwendig.
Arbeiten wie vorgesehen durchgeführt
An desen Arbeiten beteiligte sich zwischen dem 27. Juli und 10. August auf Anregung der "Lëtzebuerger Kultur an Amerika asbl" auch eine Gruppe von Luxemburgern. Zu ihnen gehörten Bauunternehmer Guy Thomas mit seinen vier Arbeitern Dominique Onraet, Fernando Marques, Leonardo Martins und Arnoldo Monteiro sowie als technischer Assistent Ferdy Dumont von der Handwerkskammer. Mit von der Partie waren außerdem Fränz Müller, Vizepräsident der Jugendherbergzentrale Luxemburgs, Rosch Krieps, der mit einer Artikelserie in den 60er Jahren dafür sorgte, daß die Luxemburger Auswanderung in die USA nicht in vergessenheit geriet, sowie die Studentin Claude Obertin, die zu wissenschaftlichen Zwecken an den noch bestehenden Steinbauten in St. Donatus Ausmessungen vornahm.
Der Beitrag der luxemburger Handwerker bestand vor allem in der Außenrenovierung des Hauses. Außerdem wurden zwei in Luxemburg angefertigte Außentüren mit einem für Luxemburg typischen Sonnenrad als Motiv eingesetzt. Wie Guy Thomas, unter dessen Leitung auch das Marnach- und das Sünnen-Haus im Mittleren Westen der USA fachmännisch restauriert wurden, uns erklärte, konnten während des vierzehntägigen Aufenthaltes alle Arbeiten am "Gehlen-House" wie vorgesehen durchgeführt werden. Die meiste Zeit sei für die Erneuerung des Außenputzes verwendet worden. Der Anstrich kann erst nach einer Frist von 30 Tagen, die zum völligen Trocknen des Mauerbewurfs notwendig ist, in Angriff genommen werden. Vermutlich zu Herbstbeginn wird das "Gehlen-House" dann in neuem Glanz erstrahlen.

Sieben bequeme Gästezimmer
Die Arbeiten im Innern des "Gehlen-House", das von seinem vormaligen Besitzer u.a. als Puppenmuseum sowie als Trödel- und Antiquitätenhandel genutzt wurde, sind dagegen schon seit längerer Zeit abgeschlossen. Die vormals 20 Räume wurden so umgestaltet, daß das Haus jetzt neben einer kleinen Kuchen, einem Aufenthaltungsraum so wie einem Empfangsraum sieben bequeme Gästezimmer beherbergt, die den Orten Vianden, Koerich, Clerf, Diekirch, Echternach, Ettelbrück und Luxemburg gewidmet sind. Bei dem Luxemburg-Zimmer handelt es sich um eine "Honeymoon-Suite", die mit besonderem Komfort ausgestattet ist. Die Preise für eine Übernachtung inklusive Frühstück, das gegenüber dem "Gehlen-House" im Kalmes-Restaurant serviert wird, liegen derzeit zwischen 46 und 86 US $ zuzüglich einer Steuer von 6%.
Luxemburger Touristen ansprechen
Wie Kim Simon von der Investorengruppe erklärte, will man mit dem "Gehlen-House" nicht nur Amerikanischen Besuchern und Durchreisenden eine Übernachtungsmöglichkeit in dem kleinen Ort zwischen den Mississippi-Städten Bellevue und Dubuque bieten. "Wir wollen vor allem auch versuchen, Luxemburger Touristen anzusprechen."
St. Donatus ist zwar ein kleines Dorf, das auf den ersten Blick unscheinbar und schlicht erscheint. Beim näheren Hinsehen aber entpuppt sich die Siedlung auch heute noch als "Geschichte der luxemburger westlich vom Mississippi", wie Nicholas Gonner jr. bereits in der "Luxemburger Gazette" vom 13.2.1884 bemerkt hatte.
Zu dieser Geschichte gehören auf dem Friedhof von St. Donatus die vielen Grabmale mit Inschriften von Luxemburger Namen und Ortschaften (eine wahre Fundgrube für Ahnen- und Auswandererforscher); die noch bestehenden Steinbauten besonders im historischen Dorfkern; Einwohner älteren Jahrgangs aus der Ortschaft und Umgebung, die stolz auf ihre Familiennamen Luxemburger Herkunft und die Luxemburger Sprache sind, die sie zum Teil noch beherrschen; der 1826 unter Pfarrer Flammang aus Koerich errichtete Kreuzweg auf den Hügeln hinter dem Friedhof, mit am Ende des Weges eine nach dem Vorbild des Bildchens bei Vianden erbaute Kapelle u.a.m. daß St. Donatus eien historische wertvolle und schützenswerte "Substanz" ist, wurde der Ortschaft spätestens an 21. April 1990 bescheinigt, als sie ins "National Register of Historic Places" nominiert wurde.
St. Donatus als Reizeziel
Wer sich zu einer US-Reize mit Aufenthalt in St. Donatus entschließt, muß sich aber nicht nur mit Luxemburger Geschichte abgeben. Die gegend am Mississsippi, 180 Meilen westlich von Chicago, eignet sich auch bestens für ausgedehnte Spaziergänge, Ausflüge zu lokale und regionale Sehenswürdigkeiten, Fischen, Golfspielen und anderen Sportmöglichkeiten. Natürlich kann der Besucher aus Luxemburg von St. Donatus aus auch einen Abstecher nach Luxemburg (Iowa) oder nach Rollingstone (Minnesota) unternehmen, in dessen Nähe sich das Marnach-Haus befindet.
Das St. Donatus unter Luxemburgern, die in de USA Urlaub machen, bereits als Reiseziel gilt, belegen dei Eintragungen in den Gästebüchern, die im "Gehlen-House" und in der Kirche aufliegen. Allein während der zweiwöchigen Renovierungsarbeiten gab es gleich fünf Mal Besuch aus Luxemburg. Und eine größere Reisegruppe aus Luxemburg hat sich für Anfang September angemeldet. Anläßlich des 110 jährigen Bestehens der "Luxembourg Brotherhood of Amerika", die dieses Jahr ihren 110. Geburtstag feiert, wird der Gesangverein "Gemëschte Kouer Häerz Jesu/St-Joseph" aus Esch/Alzette eine Reise nach Chicago, St. Donatus und Belgium (Winconsin) unternehmen und insgesamt sechs Auftritte haben. Die Reise wird auf Einladung des Luxemburger Generalkonsulates in Chicago durchgeführt.(Paul Lenert-Luxemburger Wort, den 25.8.1997)

Mehr Informationen über das "Gehlen-House" und St. Donatus sind unter tel. 001-563-7738200 erhältlich. Die Adresse lautet: "Gehlen House", Bed & Breakfast, 101 N. Main Street St. Donatus, Iowa 52071 USA